Aspekte sozialökologischer Lebenswelterkundung: by Dieter Baacke

By Dieter Baacke

Die Diskussion urn "Bildungsbarrieren" hat eine lange culture; dies gilt ebenso fiir Uberlegungen, wie sie abzubauen seien, urn damit die Lemchancen von Erwachsenen zu verbessem. Insbesondere soziale SchiehtzugehOrigkeit und Bildungshintergrund galten lange Zeit als Faktoren, die das Lemverhalten entscheidend mitbestimmen. Hier ist ein Umdenken erforderlich, wie die im folgenden dargestellte Untersuchung zeigt. In der bisherigen Debatte wurden niimlieh Faktoren wie Wobngegend (infrastrukturelle Ausstattung, Zentralitiit oder Marginalitat), Milieu (als ZugehOrigkeitsgefiihl zu einer bestimmten Gruppe) und Lebensstil (als 'Design' fUr die eigene individual, als Medium des Identitiits-Ausdrucks) kaum beriicksiehtigt. Erst seitdem das Interesse fUr kulturorien tierte Zugehensweisen angewachsen ist und in der oft so apostrophierten 'postmodemen' Gesellschaft die lebensweltlieh 'ererbten' Bindungen erodieren und neuen Strukturen sozialer Orientierung Platz machen, verbinden sieh mit diesen neuen sozialen Sach verhalten auch neue Fragestellungen. Unsere Untersuchung zeigt exemplarisch anhand von Fallstudien, daB der 'Stil' einer individual und einer Gruppe, das 'Outfit' des Lebensraums potentieller Bildungsadressaten und seine symbolische Bedeutung nieht nur Lebensgefiihl, sondem auch Leminteressen und Lembereitschaft mitbestimmen. Nieht Einstellungen, Selbstkonzepte oder Bewu6tseinsmanifestationen, sondem deren Umsetzung in Raumerfahrung und -wahmehmung stehen im Zentrum der Untersuchung. Darauf hinzuweisen ist, daB diese Untersuchung vor mehreren Jahren abgeschlossen wurde; neuere Literatur (z. B. Schulze, Die Erlebnis-Gesellschaft 1992) sind daher nicht im Nachhinein aufgefiihrt. Die Untersuchung stellt insofem ein 'Dokument' fUr einen Zugang dar, der jetzt als Denkmodell gelaufiger geworden ist, aber (besonders in den Fallstudien) noch interessant genug zu sein scheint, urn ibn einer begrenzten 'scientific group' zur Kenntnis zu geben.

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Zwar sieht er in der geringeren Sozialkontrolle stiidtischen Lebens prinzipiell auch die Gefahr einer sozialen Isolierung, doch fur sich vemeint Herr B dies, da es ihm erstens keine Schwierigkeiten bereite, mit Leuten Kontakte zu schlie6en, er zweitens tiber genug Sozialkontakte verfiige, und er drittens ein Freund von Anonymitiit sei. 1m Rtickblick beurteilt Herr B seinen vollzogenen Wechsel yom liindlichen zum stiidtischen Lebensraum als richtigen Schritt; er lebt in der Stadt mittlerweile lieber als auf dem Land.

Frau C empfindet ihre Beziehung zu den Anwohnem eher als oberflachlich. Sie unterscheidet implizit zwei Intensitatsgrade der Kommunikation im Soziotop: das Gesprach mit Nachbam auf der Stra6e und das sich gegenseitige Besuchen. Wahrend Frau C die erste Form der Interaktion pflegt, vemeint sie die Existenz von Kontakten der zweiten Art. Nachbam in die eigene Wohnung bzw. ins Haus zu bitten oder von ihnen eingeladen zu werden, ist fiir Frau C eine weitgehend fremde Erfahrung. Die Wohnungstiir stellt flir sie eine kaum zu iiberwindende Schwelle dar.

Eine andere Methode, schwierige Lebenssituation zu bewaitigen, besteht fUr Herrn B in dem Versuch, seine Lage im Proze6 des Schreibens zu verarbeiten. Die Abfassung von Gedichten und Prosatexten betrachtet er selbst als eine Form von Psychohygiene. Begonnen hat Herr B mit dieser Art von Verarbeitungsschreiben vor 8 bis 9 Jahren, zu einem Zeitpunkt, als er das Abendgymnasium besuchte und sein Proze6 der Umorientierung begann. Uber die Wirkungszusammenhange des Schreibens hat Herr Beine aufierst prazise und klare Vorstellung; er argumentiert folgenderma6en: Die Moglichkeit, seine Probleme verbal zu formulieren und zu Papier zu bringen, dient der Klarung von Sachverhalten und vermittelt eine Riickkoppelung iiber eigenes Verhalten; diese gesteigerte Selbsterkenntnis fiihrt dazu, sich besser akzeptieren zu konnen und dadurch die Aufmerksamkeit auf sonst nicht wahrgenommene Aspekte zu lenken.

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